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Interdisziplinäres Forum für Mathematik und ihre Grenzgebiete

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Tagungen

Simon Marius und seine Zeit

Marius und der Eintritt in das Maunder-Minimum

Die Sonneneckenbeobachtungen von Marius in den Jahren 1617 und 1618 sind sehr wertvoll – selbst wenn er keine Flecken festgestellt hat. Die Anzahl der registrierten Einzelecken und Fleckengruppen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind wichtig, um daraus den Verlauf des Eintritts und den genauen Zeitpunkt des Beginns des Maunder Minimums zu rekonstruieren – und bei der Mittelwert-Bildung aus mehreren Beobachtern werden natürlich auch Nicht-Detektionen berücksichtigt.
Nach Hoyt & Schatten (1998) habe Marius vom 7.6. bis 31.12.1617 an jedem Tag beobachtet, aber nie einen Sonnenfleck detektiert. Zudem habe er im Jahre 1618 angeblich an allen Tagen des Jahres die Sonnenscheibe abgesucht – außer in drei kurzen neun- bis zwölftägigen Intervallen, in denen andere je einen Fleck festgestellt hätten – aber Marius habe wieder nichts bemerkt. Die Aufbereitung der Beobachtungsdaten von Marius durch Hoyt & Schatten (1998) ist fragwürdig: Es ist völlig unwahrscheinlich, dass das Wetter in Nürnberg für rund 1,5 Jahre täglich Sonnenbeobachtungen zuließ. Marius habe zudem u.a. am 22.05.1618 zwar beobachtet, aber keinen Fleck registriert; für genau diesen Tag berichtet eine chinesische Quelle von einer entsprechenden Sichtung mit bloßem Auge (a black ladle, Willis et al. 2005). Hätte Marius diesen nicht bemerken müssen? In nicht wenigen Fällen können die Beobachtungen der Chinesen durch teleskopische Detektionen bestätigt werden (bzw. umgekehrt).
Als Quellen geben Hoyt & Schatten (1998) für Marius wie folgt an:
Marius, S., 1619. Astronomisches und Astrologische Beschreibung des Kometen von 1618
Marius, S., 1614. Mundus jovialis Anno 1609 detectus ope perspicilli belgici. Norib.
sowie Arbeiten von Wolf und Zinner.
Die Sonnenecken-Statistik der Jahre 1617 und 1618, die z.T. auf den Beobachtungen von Marius beruht, ist somit irreführend. Gelänge es, anhand der Unterlagen von Marius herauszufinden, an welchen Tagen er gar nicht beobachtet hat, führte dies zu einer Rekonstruktion der Sonnenaktivität, die näher an der Wirklichkeit läge. Das gleiche Problem stellt sich für eine Reihe weiterer Beobachter im 17. Jahrhundert – auch während des Maunder Minimums.
Wir betrachten alle Indikatoren für Sonnenaktivität (Flecken, Aurorae sowie Radionukleide C-14 und Be-10), um die Schwabe-Zyklen im 17. Jahrhundert zu rekonstruieren und diskutieren die Frage nach dem Beginn des Maunder Minimums auch unter Rücksicht diverser Kurz- und Langzeitvariabilitäten der Sonne.

Referenten:Prof. Dr. Ralph Neuhäuser, Astrophysikalisches Institut und Universitäts-Sternwarte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ort:Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg im Bildungscampus Nürnberg, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg, T 0911 9296553
Vorträge im Kuppelsaal, Pausen mit Verköstigung im Foyer
Zeit:20.09.2014 15:35 - 15:50 Uhr

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Letzte Aktualisierung: 21.05.2017, 19:02:57